Meditation: Achtsames Essen

Dies ist eine Anleitung zum achtsamen Essen.

Ziel dieser Übung ist es, sein Essen von Herzen und mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu genießen. Dankbarkeit kann die Folge sein und womöglich brauchst Du eine geringere Menge Nahrung, um Dich satt und zufrieden zu fühlen, als sonst. Aber übe nicht um etwas zu erreichen, sondern einfach für Dich und wegen dem guten Essen selbst.

Inspiriert wurde die Übung unter anderem von den Anleitungen zum achtsamen Essen einer Rosine wie sie im Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) Programm oder auch in der Mindfulness Based Cognitive Therapy (MBCT) verwendet wird.

Richte Dir einen Teller mit einer für Dich ausreichenden Portion leckeren Essens und stelle ihn vor Dich auf den Tisch. Füge gern noch frisches Obst oder einen Nachtisch dazu.

Setz Dich an den Tisch vor den Teller, aufrecht und entspannt.

Spüre Deine Beine auf dem Boden, Dein Gesäß auf dem Stuhl oder Hocker. Und gib noch etwas mehr Gewicht an den Boden und die Sitzgelegenheit ab.

Spüre Deine Arme oder Hände im Schoss oder wo Du sie abgelegt hast.

Richte Deinen Oberkörper senkrecht auf und lass auch die Schultern los, so dass Du ganz entspannt und aufrecht sitzt.

Betrachte den Teller mit seinen Lebensmitteln in aller Ausführlichkeit. Nimm die Farben und Formen in ihrer Rohform auf, ohne groß darüber nachzudenken.

Rieche an den unterschiedlichen Speisen mit tiefen Atemzügen. Nimm auch diese Wahrnehmung so auf, wie sie sich in diesem Moment anfühlt, möglichst ohne Dich in Gedanken darüber zu verlieren.

Wenn Deine Gedanken von der reinen Sinneswahrnehmung abschweifen, nimm es zur Kenntnis und kehre wieder zur Wahrnehmung zurück, ohne Dich dafür zu verurteilen.

Nimm einen Löffel oder eine Gabel voll Nahrung in den Mund oder beiße einmal ab und lass das Kauen noch einen Moment warten.

Lege Dein Besteck oder Dein Brötchen oder sonstiges Nahrungsmittel wieder weg.

Schließ die Augen, und spüre die Nahrungsmittel im Mund, wie sie sich anfühlen und welcher Geschmack von ihnen in Deinen Mund strömt.

Beginne nun langsam und genussvoll zu kauen.

Spüre die Empfindungen an Deiner Zunge, … an Deinen Wangen innen, … an Deinem Gaumen, so wie sie jetzt sind ohne groß darüber nachzudenken.

Warte mit dem Schlucken, so lange es Dir möglich ist und es sich gut anfühlt.

Nimm dann wahr, wie Dein Körper den Schluckvorgang einleitet und wie Du schluckst.

Verfolge den Weg der Nahrung in Deinen Bauch und spüre, wie sich das in Deinem Magen anfühlt.

Trink einen Schluck Wasser oder Tee, wenn Du möchtest, und fühle den Geschmack.

Nimm erst jetzt die nächste Nahrungsportion zu Dir und schenke ihr ganz genauso viel Aufmerksamkeit wie dem ersten Bissen. Lege immer nach der Nahrungsaufnahme Dein Besteck oder das Nahrungsmittel wieder aus der Hand.

Genieße so Bissen für Bissen, Schluck für Schluck.

Wenn Deine Aufmerksamkeit vom reinen Empfinden des Essens abschweift oder Du zu viel darüber nachdenkst, freu Dich, dass Du es bemerkt hast. Kehre dann ohne Dich dafür zu verurteilen wieder zum reinen Schmecken und Spüren der Nahrung zurück.

Wenn Du zu irgendeinem Zeitpunkt feststellst, dass Dir Teile der Nahrungsmittel oder das ganze Essen nicht (mehr) schmecken, dann habe den Mut nur das zu Essen, was Dir schmeckt oder die Übung zu unterbrechen um Dir etwas anderes zum Essen zu besorgen, von dem Du denkst, dass es Dir jetzt gut tun würde. Kehre dann wieder zum achtsamen Essen Deiner Nahrungsmittel zurück.

Wiederhole das Essen und Schmecken kleiner Portionen mit geschlossenen Augen und weggelegtem Besteck, so lange bis Du eine ausreichende Sättigung nach dem Schlucken spürst oder Dein Teller leer ist.

Wenn Du möchtest, danke Gott, dem Ursprung aller Dinge, den Menschen, die Dich versorgen, oder Dir selbst für dieses Essen und die Zubereitung.

Von Alexander Nagel / Dezember 2016