„Ich hatte es immer schwer“

„Ich hatte es immer schwer“ So oder so ähnlich habe ich das mal einem Freund gesagt, der mich schon sehr lange kennt. Verwundert war ich, dass er das ganz anders sah und mir gar nicht zustimmte. Wie kam es dazu?

Die innere Wahrnehmung

Erst im Nachdenken über diesen kurzen Austausch wurde mir klar, dass er objektiv gesehen recht hat: Von größeren Katastrophen bin ich in meinem Leben Gott sei Dank bisher weitgehend verschont geblieben. Anders aber meine Innensicht, die Art und Weise wie ich mein Leben erlebt habe: Mit vielem, was mir begegnet ist, konnte ich nicht gut umgehen. Sei es meine frühere Überzeugung von der biblischen Schöpfungsgeschichte, die sich stark von Evolutionstheorie unseres Biologielehrers unterschied. Sei es der außergewöhnliche Stress an unserer Hochzeitsfeier oder der alltäglich wiederkehrende in meinen verschiedenen beruflichen Tätigkeiten. Oder der Umgang mit andersartigen Menschen, die ich oft als feindselig oder seltsam wahrnehme (obwohl man von außen vielleicht eher mich so bezeichnen würde).

Achtsam(ere) Lebensbewältigung

Heute hilft mir der achtsame Umgang mit vielem besser klar zu kommen. Ich habe gelernt mich mit den direkten Wahrnehmungen meines Körpers zu verbinden. Ich kann aus dem automatischen Problemlösungsmodus aussteigen, in dem viele von uns so oft leben und der uns zum Grübeln und Sorgen machen bringen kann. Nicht immer gelingt es, aber ich habe es gelernt. Ich weiß, dass Gedanken keine Realitäten sind, auch die nicht, die sich sehr real anfühlen. Ich bemerke es eher, wenn mein Kopf mal wieder auf eine Zeitreise in die Vergangenheit oder Zukunft macht und kann mich wieder in der Gegenwart verankern, statt nur in Gedanken zu leben. Ich versuche unangenehme Gedanken und Gefühle nicht weg zu drücken, sondern sie kommen und auch wieder gehen zu lassen. Ich versuche Unangenehmes und Schwieriges anzunehmen und bewusst wahr zu nehmen, wie sich dessen Auswirkungen in meinem Körper anfühlen. Ich versuche in Momenten des Leidens bei und mit mir selbst zu sein, statt wer weiß wohin zu fliehen.

Ich bin auf dem Weg

Ich hatte und habe es schwer – aber vorwiegend nur mit mir selbst. Ich tue mich schwer, gut mit mir selbst umzugehen und mit dem, was mir begegnet. Aber ich bin auf dem Weg. Gott sei Dank. Und danke allen, die mich Achtsamkeit, Akzeptanz und Weisheit lehren, und denen, die mit mir auf dem Weg sind.

Mark Twain:
„In meinem Leben habe ich unvorstellbar viele Katastrophen erlitten.
Die meisten davon sind nie eingetreten.“